Bericht zur aktuellen Regen-Katastrophe in Westjapan
Laufende Aktualisierung des Inhalts am 20. Juli 2018 eingestellt

Taifun 1807, in Japan schlicht als "Taifun Nr. 7" und in anderen Ländern als "Prapiroon" oder "Florita" bekannt, und seine Folgen:

Taifune sind pazifische Wirbelstürme, die vorwiegend nach Windgeschwindigkeiten eingestuft werden. Sie führen jedoch auch Regenwolken mit sich, die manchmal ein größeres Problem darstellen als der Sturm als solcher. Taifun 1807 schwächte sich zwar am 4. Juli beim Landfall in Japan ab, brachte aber ungeheuerlich viel Regen mit sich, der bereits am 5. Juli zu Teilsperrungen von Autobahnen und Eisenbahnlinien führte und der seinen Höhepunkt am 6. und 7. Juli erreichte. Die Wassermengen führten einerseits an vielen Stellen zu Überflutungen und weichten andererseits auch die Erde von bewaldeten Hügeln in nie gesehenem Ausmaß auf, so dass es in einem sehr ausgedehnten Gebiet zu massiven Erdrutschen kam. Allein im südlichen Teil der Präfektur Hiroshima wurden 5064 Erdrutsche gezählt. Viele Menschen, darunter nicht wenige, die die Evakuierungsaufrufe der Behörden ignoriert oder zu spät erhalten hatten, wurden ertränkt oder von Erdrutschen und Schlammlawinen verschüttet.

Betroffen von den Taifun-bedingten Rekord-Regenfällen und Erdrutschen sind vor allem die drei Präfekturen Hiroshima (107/7), Okayama (61/3) und Ehime (26/2), es gab aber auch Todesopfer in den Präfekturen Kyōto (5/-), Yamaguchi (3/-), Fukuoka (3/-), Kōchi (3/-), Hyōgo (2/-), Kagoshima (2/-), Saga (2/-), Gifu (1/-), Shiga (1/-), Miyazaki (1/-) und Nara (1/-). Und Überschwemmungen und Erdrutsche gab es auch in weiteren 17 Präfekturen, d.h. in insgesamt 31 der 47 japanischen Präfekturen. Die erste Zahl in den Klammern ist die jeweilige Anzahl der dort bis zum 20. Juli offiziell bestätigten Todesopfer, die zweite Zahl die Anzahl der dort noch Vermissten,

der Zählstand am 20. Juli betrug demnach 218 Tote und 12 noch Vermisste.

Es wird erwartet, dass die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter steigt. Die Regierung hatte am 17. Juli bereits eine etwas höhere Opferzahl genannt (222 Tote statt der hier am 17. Juli genannten 215): dies kommt daher, dass die Regierung offenbar auch mittelbare Todesfälle mitzählt, während ich mich hier an die Zahl der unmittelbar durch die Katastrophe Getöteten halte, die von den Polizeikräften der einzelnen Städte den Medien mitgeteilt werden und unter anderem auf der Website des Staatlichen Fernsehens "NHK News Web" veröffentlicht werden.

Die Stadt Kurashiki (ca. 475000 Einw.) in der Präfektur Okayama wurde am schlimmsten getroffen: dort wurde ein Teil des Stadtteils Mabichō (ca. 22000 Einw.) nach einem Dammbruch am 7. Juli morgens um 1:35 Uhr innerhalb einiger Stunden auf 3 Meter Wassertiefe überflutet, und nach einem zweiten Dammbruch um 6:30 Uhr hatte sich die Überschwemmung noch deutlich ausgeweitet und die Wassertiefe weiter auf etwa 5 Meter erhöht. Von den bisher 52 bestätigten Toten in Kurashiki haben 51 in Mabichō gewohnt, und viele der dort Verstorbenen sind in ihren Häusern ertrunken. In allen anderen Städten der Präfektur Okayama zusammengezählt sind es bisher nur 9 Tote.

Die Trinkwasser-Versorgung ist in mehreren Teilen des Katastrophengebiets unterbrochen, viele Menschen müssen sich ihre Plastiktanks noch an bereitstehenden Tankwagen abfüllen. Die Reparaturarbeiten gehen aber flott voran - jetzt sind "nur" noch 24200 Häuser ohne funktionierende Wasserversorgung (vor einer Woche waren es noch mehr als 250000). Die Solidarität mit den Katastrophengeschädigten ist in Japan vorbildlich: am vergangenen langen 3-Tage-Wochenende haben 32000 freiwillige Helfer aus Nah und Fern beim Entrümpeln der Häuser geholfen, die überflutet worden waren. Viele Freiwillige mussten danach wieder zurück in die Arbeit, aber jetzt helfen viele Oberschüler, die vorzeitig in die Sommerferien geschickt wurden. Auch die 55000 professionellen Helfer (Soldaten, Polizei und Feuerwehr), die die Regierung schon gleich nach der Katastrophe mit viel technischem Gerät mobilisiert hatte, sind immer noch im Einsatz (derzeit sollen 81 Helikopter im Einsatz sein). Von den 18 in der Präfektur Okayama beschädigten Dämmen sind inzwischen 11 wieder instand gesetzt, darunter insbesondere die großen Dammbrüche in Mabichō/Kurashiki.

Am 14. Juli sind Teile der San'yō-Autobahn wieder freigegeben worden, der Hauptverkehrsader zwischen Hiroshima, Okayama und Ōsaka - sie war 9 Tage lang gesperrt gewesen. Im Katastrophengebiet sind jetzt auf manchen Autobahn-Abschnitten die Mautgebühren vorläufig aufgehoben, und auf anderen Abschnitten für Fahrzeuge mit ETC auf die Hälfte gesenkt, um die vielen Staus auf den anderen Straßen zu reduzieren. Auch wurde für mehrere derzeit gesperrte Bahnlinien Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet; auf mehreren Teilabschnitten der wichtigen JR San'yō-Hauptlinie (Eisenbahnlinie Himeji-Okayama-Hiroshima-Yamaguchi) ist am 17. und 18. Juli der Schienenbetrieb wieder aufgenommen worden.

Der materielle Schaden ist enorm: die ersten Schätzungen gehen von einer halben Milliarde Euro Schaden in Land- und Forstwirtschaft und Fischzucht aus. Aus der Präfektur Hiroshima kommt die Nachricht, dass der Schaden am Verkehrsnetz (Straßen und Schienen) allein dort auf eine knappe Milliarde Euro geschätzt wird, und aus der Präfektur Okayama kommt die Nachricht, dass dort der Schaden an Häusern lokale Rekordhöhe hat: dort sind mindestens 2500 Häuser ganz oder halb zerstört - am Ende des Zweiten Weltkriegs soll das dort nur für 1835 Häuser gegolten haben.

QUELLE: Website des Staatlichen Japanischen Fernsehens NHK (japanisch, die Berichte enthalten auch Fotos und Videos)
Übrigens: 豪雨 gō-u (= Starkregen) ist derzeit ein besonders häufig gebrauchter Begriff. Und 災害 sai-gai (= Unglück, Desaster) auch.

Siehe auch: Website des britischen The Guardian (englisch, viele Fotos, aufgenommen Tage nach der Flut)

Geographie:

Japans Präfekturen
Am "wir"-Zeichen und dem kleinen blauen Punkt kann man erkennen, wo ich wohne, nämlich in der Präfektur Tottori, der nördlichen Nachbarpräfektur der Präfektur Okayama: diese zwei Präfekturen sind durch das Chūgoku-Gebirge voneinander getrennt, die Wasserscheide ist die Grenze. Auch in Tottori war Starkregen-Alarm ausgerufen worden und es hat auch einmal stark geregnet, jedoch gab es hier keine Todesopfer. Der rote Punkt 100km (Luftlinie) südlich von uns markiert die Position der Stadt Kurashiki, die besonders stark von dieser Regenkatastrophe betroffen ist.

Die drei hauptbetroffenen Präfekturen Hiroshima, Okayama und Ehime sind stark rötlich eingefärbt (Hiroshima liegt links neben Okayama), die anderen oben genannten Präfekturen schwach rötlich. Hochwasserschäden gibt es aber auch in den hier weiß dargestellten Präfekturen - eine Schadensichtung des Verkehrsministeriums nannte vor einer Woche 619 Stellen, verteilt auf 31 der 47 japanischen Präfekturen, an denen Straßen oder Schienen durch Erdrutsche oder Unterspülungen beschädigt oder unterbrochen wurden. Die JR (Japanische Bahn) hat jetzt auf Honshū/Westjapan 10 Bahnstrecken genannt, deren Instandsetzung mehr als einen Monat dauern wird. Dasselbe gilt auch für mehrere Bahnstrecken auf Shikoku und auf Kyūshū.

Auch im Südosten meiner Präfektur Tottori hat es Überschwemmungen und Erdrutsche gegeben, die Chizu-Kyūkō-Bahnlinie von Tottori nach Ōsaka war zunächst 8 Tage lang außer Betrieb. Vom 14. Juli bis zum 17. Juli konnte man dann mit dem Bus von der Stadt Tottori nach Chizu (Präfektur Tottori) fahren, von dort dann wie bisher mit der Eisenbahn weiter nach Ōsaka. Seit dem 18. Juli ist die Eisenbahnstrecke wieder durchgehend in Betrieb.

Während die Aufräumarbeiten schon seit einer Woche durch hohe Temperaturen im Bereich von 35-40 Grad (Spitzentemperatur in der Präfektur Gifu gestern 40,7 Grad, in Hiroshima 37 Grad) behindert wurden, hatten wir hier in der Präfektur Tottori bisher nur Höchsttemperaturen von 33-35 Grad, aber heute am 20. Juli hatten wir auch hier 37-38 Grad - die höchste Temperatur in dieser Präfektur seit 40 Jahren ...


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