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Die Geschichte der kurzen Sinclair-Marktpräsenz mit dem Sinclair QL (1984-1986)
- Erinnerungen eines QL-Besitzers -

Anfang des Jahres 1984 warb Sir Clive Sinclair in England für einen revolutionär neuartigen Homecomputer, der ein "Quantensprung" (englisch: Quantum Leap) werden sollte - er war deshalb "QL" getauft worden. Da Sir Clive der erwarteten Vorstellung des MacIntosh von Apple, dessen CPU ebenfalls der Motorola 68000 Familie angehörte, um ein paar Tage zuvorkommen wollte, hatte er sich leider zu diesem Schritt hinreißen lassen, obwohl die Entwicklung des QL-Betriebssystems noch gar nicht abgeschlossen gewesen war. Voller Begeisterung orderten viele Briten daraufhin den versprochenen "Quantensprung" und bekamen zunächst - nichts. Als dann immer mehr Leute (angeblich mehr als 10000) auf die Lieferung ihres bereits bezahlten Computers warteten und begannen, ihr Geld zurückzufordern, begann Sir Clive Sinclair im Mai mit der Auslieferung von QLs, die noch fehlerbehaftete Betriebssystemversionen (ROM-Versionen PM und FB) enthielten, und obendrein waren diese Betriebssystemversionen auch noch größer als die im QL dafür vorgesehenen 48 KiB ROM, so musste der Überhang auf einer kleinen Extraplatine mit 16 KiB ROM untergebracht werden, und die User mussten diese dann hinten in den ROM-Port des QL stecken, was unschön aussah. Dieser "Dongle" trug wesentlich zum anfänglichen Spitznamen für den QL bei - er wurde in England damals "kludge" genannt (die Bedeutung dieses Wortes liegt etwa in der Mitte zwischen hochdeutsch "Fehlkonstruktion" und schwäbisch "Glump") .

Die offenkundigen Betriebssystemmängel der erstausgelieferten QLs riefen damals - in der Vor-Windows-Zeit - heftige Reaktionen in der Presse und der öffentlichen Meinung hervor. Und es sollten noch etliche Monate vergehen, bis endlich im August mit der Betriebssystemversion "AH" ein einigermaßen zuverlässig arbeitender Stand erreicht wurde, und noch länger, bis auch die Anlaufschwierigkeiten der QL-Produktion überwunden waren, allerdings hatte Sinclair dann nicht mehr viele Barmittel - Sir Clive hatte in die Entwicklung zweier anderer Projekte viel Geld investiert (und verloren), nämlich in das sog. "Wafer Scale Integration" Projekt (WSI), und noch mehr in sein ominöses Elektro-Dreiradauto "C5" (ohne Feststellbremse), das allein die Firma 7 Millionen Pfund gekostet haben soll - und nun litt die Firma Sinclair unter akutem Geldmangel, es fehlte das Geld für eine angemessene Werbekampagne für den QL, und so verbreitete sich die Kunde vom nunmehr gut laufenden QL nur langsam.

Gespräche mit Digital Research über eine Adaption von GEM für den QL (was diesem ein GUI mit Maus beschert hätte) scheiterten im Sommer des Jahres 1985, obwohl schon damals viele QL-Besitzer das Hinzufügen einer Maus für den nächsten notwendigen Schritt hielten und dies auch lautstark von Sinclair forderten (GEM erschien dann ein Jahr später - auf dem neuen Atari ST).

Sinclair konzentrierte sich damals darauf, den Preis seines Produktes zu senken, und verlagerte die QL-Produktion schließlich von England (Thorn EMI) nach Korea (Samsung). So konnte der Preis des ohnehin preisgünstigen QL halbiert werden - damit erschien er aber für seriöses Business "zu billig", und für die Zielgruppe der Jugendlichen wegen des im Vergleich zum Commodore C64 geringeren Spiele-Angebots dennoch nicht attraktiv genug. Und gerade, als der Markterfolg sich hätte einstellen können, füllten sich die Fachzeitschriften mit den recht negativen Testberichten, die auf der Basis der erstausgelieferten QLs entstanden waren ... so ging es mit dem Verkauf des QL nicht so recht voran, bis er schließlich im Frühjahr 1986 in Deutschland für unglaubliche 440 DM "verramscht" wurde - ich empfand das als unrühmliches Ende für einen so fortschrittlichen Computer mit Multitasking-Betriebssystem und komfortablem Anwendungssoftware-Paket.

Die marginalen Profite aus dem schleppenden QL-Verkauf halfen der damals bereits angeschlagenen Firma Sinclair nicht mehr, wieder richtig auf die Beine zu kommen, und so verkaufte Sir Clive Sinclair die QL-Rechte im April 1986 an seinen englischen Konkurrenten Amstrad (der damals zusammen mit der Firma Schneider in Türkheim/Deutschland CP/M-basierte Homecomputer fertigte). Und Amstrad setzte den Hoffnungen der über hunderttausend QL-Besitzer auf eine Fortsetzung der QL-Serie ein jähes Ende, indem sie die eingekauften QL-Patente auf Eis legte.

Während vom Commodore C64 weltweit etwa 17 Millionen Stück verkauft worden sein sollen, und auch vom QL-Vorgängermodell Sinclair ZX Spektrum einige Millionen, sollen es beim QL insgesamt nur etwa 140000-150000 Stück gewesen sein.

Man könnte meinen, dass damit die Geschichte des QL zu Ende gewesen wäre, aber dieser Computer hat damals so viele Leute begeistert, dass die QL-Clubs und die kleineren Firmen, die verschiedenste Zusatz-Hardware und Software für den QL produziert hatten, noch viele Jahre lang weitergearbeitet und das unverhoffte Ende ihres Lieblingssystems nicht akzeptiert haben. Selbst jetzt - nach über 20 Jahren - sind die QL-Fans keineswegs ausgestorben, wenn auch die meisten davon ihren QL - pardon, ihr QDOS bzw. dessen Weiterentwicklung SMSQ/E - nur noch als Software-Emulation weiter genießen - aber auf diese Weise an der allgemeinen Performancesteigerung der PCs teilhaben.

Ein Wermutstropfen liegt für mich allerdings in der damals von der QDOS-Community leider verpassten Chance der Hardware-Migration zum Sharp X68000.


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© 2005 Elmar Dünßer (Duensser)