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Die Geschichte der NEC PC-9800 Computerfamilie von 1982 bis 2003

Geschichte der "98-Familie":

Zeittafel
19821983198419851986198719881989199019911992
PC-9801  VM2UV2   PC-H98DOS/V 

19931994199519961997 199819992000200120022003
  <50% "Ende" Modellpflege geht weiter Produktion auslaufend

← Ausschnitt aus dem Originalprospekt von NEC 1982: im September 1982, etwa ein Jahr nach der Vorstellung des ersten IBM PC, stellte NEC in Japan ihre neue Personal Computer Familie vor, die sog. "PC-9800-Serie", in Japan nur "98" genannt (kyūhachi oder kyuppachi). Das erste Modell hieß PC-9801 und war mit einer Intel 8086-2 CPU (4.91 MHz = "5MHz") und mit einer von NEC japanisierten und an die spezifische Hardware und das NEC-spezifische BIOS angepassten Version von MSDOS ausgestattet.

Nach wenigen Jahren konsolidierte sich mit dem Erscheinen des PC-9801 VM2 (mit 130mm-Floppies, 1985) und des PC-9801 UV2 (mit 90mm-Floppies, 1986) die anfangs schwankende Ausstattung der 98-Computer, seit diesen Modellen wurde die Graphik mit 640x400 Pixeln und 16 Farben, die aus 4096 gewählt werden konnten, ein Arbeitsspeicher mit allermindestens 384 KiB RAM und mit zwei HD-Floppylaufwerken (je 1232 KiB, wahlweise 130mm oder 90mm), sowie bei den Modellen mit 90mm-Floppylaufwerken die 3-stimmig polyphone FM-Sound-Karte zum Minimalstandard in der 98-Familie. Bei den hauptsächlich fürs Büro gedachten Modellen mit 130mm-Floppylaufwerken war die FM-Soundkarte optional. Modelle vor 1985 hatten teilweise nur 8 feste Farben darstellen können, teilweise weniger RAM gehabt, und teilweise auch keine HD-Floppylaufwerke, sondern 2D-Laufwerke (200mm) oder 2DD-Laufwerke gehabt (130mm oder 90mm).

Die 98-Computerfamilie wurde durch NEC ab 1982 produziert; wegen der heftigen patentrechtlichen Abwehr durch NEC gelang es zunächst nur Seiko Epson, und zwar erst 1987, eine Vereinbarung mit NEC zu erreichen, um 98-Kompatible, vorwiegend Laptops und Notebooks, fertigen zu dürfen. Die von Seiko Epson von 1987 bis 1995 produzierten 98-kompatiblen Geräte (mehr als 80 Modelle) trugen Namen wie "PC-286", "PC-386", "PC-486", "PC-586" plus ein Suffix - verwirrenderweise teilweise gleich wie die von Epson für Amerika und Europa produzierten IBM-kompatiblen PC und Notebooks, die ihren japanischen Brüdern äußerlich glichen! Erst gegen Ende der 98-Ära erschienen auch noch andere Hersteller mit 98-Kompatiblen auf dem Markt, z.B. Rom-Win mit seiner "98Base"-Serie.

Im Jahr 1990 lag der Marktanteil der 98-Computer von NEC in Japan bei etwa 50% und der der 98-Kompatiblen von Seiko Epson bei etwa 20% - die 98-Familie beherrschte damals ca. 70% des japanischen PC-Marktes ! Die übrigen 30% verteilten sich auf mehrere andere japanische Computerfamilien, von denen jede zu jeder anderen inkompatibel war, wie die Fujitsu FM-R-Serie, die Hitachi B16/B32-Serie, die Toshiba J3100-Serie, usw. Die IBM-Kompatiblen besetzten in Japan damals nur eine Marktnische, sie wurden praktisch nur von Nicht-Japanern benutzt, denn sie konnten im Gegensatz zu den japanischen PC-Familien kein Japanisch. Da damals die CPU-Leistung noch nicht so hoch war wie später, liefen die meisten Applikationen im sog. Textmodus, in dem die PC-Hardware die Schriftzeichen auf dem Bildschirm selber generieren muss, und nur die japanischen Computerfamilien verfügten standardmäßig über Hardware-Zeichengeneratoren für die mehr als 7200 japanischen Schriftzeichen (nach dem JIS-1 + JIS-2 Standard, plus ca. 800 "Nicht-Kanji-Zeichen").

Ende 1990 erschien dann das Betriebssystem DOS/V für IBM-kompatible PC auf dem Markt - das Ergebnis einer Koproduktion zwischen Microsoft Japan und IBM Japan: dieses Betriebssystem benötigt im PC mindestens eine 80286-CPU, 2 MB RAM und eine VGA-Karte, und emuliert per Software im Graphikmodus der VGA-Karte einen japanischen Textmodus. Damit war erstmalig der Weg frei geworden für japanische Applikationen ohne spezielle Hardware-Unterstützung, und bald schon begannen auch die preiswerten IBM-Kompatiblen amerikanischer und taiwanesischer PC-Hersteller dank des DOS/V-Betriebssystems in Japan langsam Käufer zu finden - auch wenn die Zahl der verfügbaren japanischen DOS/V-Applikationen anfangs noch begrenzt war.

← Originalprospekt von NEC zum ersten PC-9821 ("PC-9800 Serie, 98multi, PC-9821"): Im Jahr 1992 wurde von NEC als Antwort auf die so plötzlich entstandene Bedrohung ihrer Vormachtstellung in Japan der neue "PC-9821"-Standard geschaffen, der die volle Kompatibilität zur 98-Familie mit einzelnen Features aus der IBM-kompatiblen Welt kombinierte, z.B. mit einem trimodalen 90mm-Floppylaufwerk, das auch das IBM-kompatible 1440-KiB-Format lesen konnte, erweiterte Graphikmodi analog zur VGA-Karte, bei manchen Modellen auch ein PCI-Bus neben dem C-Bus.

Der Marktanteil der 98-Computer bei den PC-Neukäufen in Japan begann ab 1991 zu sinken, im Jahre 1995 überstieg der Anteil der IBM-kompatiblen DOS/V-PC zusammengenommen erstmals denjenigen der 98-Computer. Die Produktion der "klassischen" PC-9801-Modelle wurde von NEC 1995 eingestellt, die der 9821-Modelle lief aber weiter. Im November 1997 gab NEC schließlich die geplante Aufgabe ihrer gesamten 98-Palette bekannt - und begann mit der Produktion ihrer neuen PC-98NX-Serie, die trotz des ähnlichen Namens nicht mehr 98-kompatibel, sondern DOS/V-kompatibel ist (ohne C-Bus und auch ohne ISA, nur PCI-Bus). Die allerersten PC-98NX-Modelle folgten noch der Microsoft PC-97-Spezifikation, die Modelle danach der Microsoft PC-98-Spezifikation: diese hat allerdings rein gar nichts mit den 98-Computern zu tun - eine zufällige Jahreszahl-bedingte Namensähnlichkeit.

Am 25. September 1998 gab NEC die Produktion ihres 20-millionsten PC-9800 bekannt. Die letzten neuen Modelle der 98-Familie erschienen im Mai 2000, es waren die Modelle PC-9821 Nr300 "Lavie", ein Notebook mit einem 300 MHz Pentium MMX, sowie der PC-9821 Ra43, ein Desktop PC mit einer 433 MHz Celeron CPU, beide mit einem speziell an die PC98-Familie angepassten MS Windows 98 SE (und beide mit eingebautem CD-ROM-Laufwerk). Man konnte zu diesen Computern auch ein angepasstes Windows 2000 bekommen, Windows ME und XP wurden jedoch nicht mehr angeboten.

NEC allein hat von 1982 bis 1995 mehr als 150 verschiedene PC-9801-Modelle inklusive der Ausstattungsvarianten herausgebracht (siehe Modellübersicht), und von 1992 bis 2000 etwa 140 verschiedene PC-9821-Modelle, die meisten davon 1994-1997. Ferner gab es auch einige Modelle mit besonderen Abwandlungen, wie z.B. die Laptop-Serie PC-98LT (mit monochromem Display und entsprechend kleinerem VideoRAM, sowie MSDOS und Kanji Dictionary im ROM), die PC-98DO Modelle mit einer zusätzlichen CPU, um zur 8-bit-Vorläuferfamilie "PC-8800" kompatibel zu sein, oder die "High-Resolution"-Modelle PC-98XA / XL / XL2 / RL, die durch hochaufgelöste Grafik mit 1120 x 750 Pixeln glänzten, oder ab 1990 die PC-H98 Modelle mit dem 32-bit-NESA-Bus (das NEC-Analogon zum EISA-Bus).

Am 30. September 2003 strich NEC ihre einst in Japan so populäre PC-Serie aus ihrem Produktkatalog.

Zur 98-Computer-Familie zählen:
HerstellerSerieModelle
NECPC-9801Desktop, Laptop und Notebook PCs (mehr als 100 Modelle)
NECPC-98LTLaptop PCs, monochromes Display
NECPC-98HAMini-Notebook
NECPC-98XA/XL/XL2Modelle mit Hochauflösung 1120x750 Pixel
NECPC-H98Hochleistungsmodelle mit 32-bit-NESA-Bus
NECSV-98Servermodelle
NECFC-9801besonders robuste Factory-Modelle
NECPC-9821Modelle mit Extrafeatures
Seiko EpsonPC-286/386/486/586*98-Kompatible von Epson, vorwiegend Notebooks
verschiedene98Base, etc.98-Kompatible von kleineren Herstellern
 
Nicht zur 98-Computer-Familie zählen:
NECPC-98NXDesktops und Notebooks, IBM-kompatibel !
Seiko EpsonPC-286/386/486/586*IBM-Kompatible von Epson, vorwiegend Notebooks

*: Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Epson hat 98-kompatible Notebooks in Japan und äußerlich identische IBM-kompatible Notebooks in den USA und in Europa teilweise unter identischen Namen verkauft! Ein Epson-Notebook ist aber immer entweder 98- oder IBM-kompatibel, nie beides.

Von der 98-Familie sind in Japan von 1982 bis 2000 von NEC allein mehr als 20 Millionen PCs, und mit den 98-Kompatiblen zusammen sicher deutlich mehr als 23 Millionen PCs verkauft worden.


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